Das Grundstudium - Wunsch und WirklichkeitWenn ihr einen Blick in die Studienordnung werft, Kapitel 1.1, könnt ihr euch eigentlich recht schnell einen Überblick darüber verschaffen, wie euer Grundstudium bis zum Vordiplom theoretisch aussehen könnte: Im ersten Semester Lineare Algebra I, Praktische Informatik 1 und Technische Informatik 1, im zweiten dann Praktische Informatik 2, Technische Informatik 2 und das Praktikum Praktische Informatik, sowie Analysis I. Anschließend die erste Fachprüfung in der Praktischen Informatik. Im dritten Semester folgt dann ein kleiner Schwenk: Theoretische Informatik 1, das Praktikum Technische Informatik, Stochastik und ein Wahlpflichtfach aus der Mathematik (Analysis II für Informatiker, Logik für Informatiker oder Numerische Mathematik). Und wieder ist Zeit für eine kleine Fachprüfung zum Vordiplom, diesmal in der Technischen Informatik. Im vierten Semester kommt etwas neues hinzu: Neben der Theoretischen Informatik 2 und der Diskreten Mathematik dürft ihr jetzt auch ein Proseminar besuchen. In einem Proseminar sollt ihr lernen, ein Thema der Informatik selbständig zu lesen, zu bearbeiten, wiederzugeben und zu verstehen. Und dann kommt es knüppeldick: Ihr seid jetzt in der Lage, eure Prüfungen in der Theoretischen Informatik, der Mathematik und in eurem Nebenfach abzulegen. Ach ja: In den vier Semestern davor habt ihr selbstverständlich auch noch die entsprechenden Veranstaltungen für euer Nebenfach besucht. So weit nun die kurze Zusammenfassung der Theorie. Nun zur Praxis an einem kleinen Beispiel: An mir. Die Theorie weicht schon im ersten Semester von der Praxis ab, da ich noch gar nicht weiß, welches Nebenfach ich nehmen will. Nebenbei stelle ich auch noch fest, dass mir der Stil des Professors, der Lineare Algebra I liest, absolut nicht liegt. Also stattdessen Analysis I versucht, was auch fast geklappt hätte. Okay, summa summarum nach dem ersten Semester: Ein Leistungsschein in der Praktischen Informatik, zwei nette Bücher über Technische Informatik, und die Hoffnung, dass irgendwann ja mal ein Matheprofessor mit den Vorlesungen dran kommen muss, bei dem selbst ich den Stoff verstehe. Das zweite Semester beginnt. Erste Hürde: Praktikum Praktische Informatik. Hier einen Platz zu ergattern, ist gar nicht so leicht (Tutorenmangel), und nur durch heroische Anstrengungen bekomme ich noch einen Platz, weil sich in letzter Sekunde doch noch ein paar Idealisten gefunden haben, die sich als Tutoren zur Verfügung stellen. Zweite Hürde: Nebenfach! Ich weiß, dass ich es gerne einmal mit Philosophie probieren würde. Allerdings scheitere ich an der Tatsache, dass die Veranstaltungen Ethik II und Wissenschafts-Theorie II auf den jeweiligen Veranstaltungen mit einer «I» aufbauen, die im letzten Semester stattfanden. Nebenbei stelle ich noch fest, dass sich meine Arbeitszeit nicht mit den mathematischen Vorlesungen verträgt. Nächstes Semester sollte ich mehr Wert aufs Studium und weniger aufs Geld legen... Positiverweise erfahre ich, dass man für die Technische Informatik 2 nicht alles aus der Technischen Informatik 1 verstanden haben muss. Es handelt sich mehr um Logik als um Physik. Zwischenbilanz nach dem zweiten Semester: Ich habe nicht nur den benötigten "technischen Schein", nein, ich kann jetzt auch meine erste Fachprüfung fürs Vordiplom in Angriff nehmen. Also mal kurz die Webseite des Prüfungsamtes angeschaut und festgestellt, dass es hier neben den Öffnungszeiten eigentlich nur Links zur Prüfungsordnung (DPO) und Studienordnung (StO) gibt. Also lese ich mir diese kurz durch, suche die entsprechenden Dokumente zusammen, entscheide mich für einen "Wunschprüfer", und am nächsten Tag geht's auf zum Prüfungsamt. Entgegen aller Warnungen ist dort keine Warteschlange, ich komme gleich dran, fange an, einen Stapel Formulare auszufüllen, und alles geht gut. Bis ich den Prüfungstermin samt Prüfer angeben soll. Und zu diesem Zeitpunkt habe ich herausgefunden, dass man sich erst einen Termin bei seinem Wunschprüfer holt und dann erst zum Prüfungsamt geht. Zufällig habe ich dann den Prof getroffen, durfte mich in eine Liste eintragen und werde wohl im Oktober geprüft. Sollte ich also während der OE ein wenig sauer sein, bin ich schon durchgefallen, solle ich abgelenkt sein, so liegt meine erste Prüfung wohl noch vor mir, sollte ich gerade weg sein, bin ich wohl gerade in meiner Prüfung. Drückt mir dann bitte die Daumen. Soweit nun mein erstes Uni-Jahr, das, wie ihr seht, alles andere als nach DPO und StO verlaufen ist. Mit ein wenig Phantasie kann man sich leicht ausdenken, wie es weitergehen könnte. Ich könnte zum Beispiel gleich jetzt im dritten Semester feststellen, dass Philosophie als Nebenfach doch nicht zu mir passt oder dass mir der theoretische Teil der Informatik nicht liegt oder dass ich vor lauter Erstis doch keine Lust habe, ein oder zwei Mathe-Scheine zu machen. In jedem Fall könnt ihr euch jetzt sicherlich gut vorstellen, dass es einen Unterschied zwischen der Theorie nach DPO und StO und dem tatsächlichen Verlauf eines Studiums geben kann, und ich muss einräumen, dass ich schon gerüchteweise vernommen habe, dass es wirklich Studierende geben könnte, die es in der Regelstudienzeit (oder sogar noch schneller) schaffen, ihr Vordiplom zu bekommen. Vorausgesetzt, dass sie nebenher nicht arbeiten müssen (und auch gleich wissen, welches Nebenfach sie wollen). Aber auf wie viele trifft das schon zu? Trotz allem wünsche ich euch viel Erfolg bei eurem Grundstudium! Alexander |
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