Informatiker drängeln sich an Frankfurter Uni - 400 Neulinge Von Johannes Werner, dpa. Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Sie sitzen auf den Treppen, andere lehnen sich an die Wände: Mehr als 400 neue Informatikstudenten drängen sich am Montagmorgen im großen Hörsaal der Johann-Wolfgang-GoetheUniversität Frankfurt, der mit 380 Sitzplätzen ausgestattet ist. Geduldig lassen sie die erste Stunde «Lineare Algebra» über sich ergehen. Mathematikprofessor Horst Luckhardt ist vom Ansturm sichtlich überrascht. Dass Computerspezialisten in Deutschland händeringend gesucht werden, darauf hat sich die Uni offensichtlich nicht rechtzeitig eingestellt. Zu Beginn des neuen Studienjahres haben sich an der Frankfurter Uni mehr als doppelt so viele Studenten für Informatik neu eingeschrieben als vor einem Jahr. Trotz des Ansturms hat sich in dem Studienfach nichts geändert. Kurz hat der Präsident der Universität, Rudolf Steinberg, mit dem Gedanken gespielt, einen Numerus Clausus eine Zulassungsbeschränkung - einzuführen. Von seiner Idee nahm er jedoch schnell wieder Abstand, um die Interessenten nicht abzuschrecken. Jetzt gibt es Gedränge. Die Engpässe werde es nur vorübergehend geben, versichert Steinberg. Für das kommende Haushaltsjahr sollen Mittel für eine neue Professur und einen so genannten Bachelor-Studiengang bereitgestellt werden, der einen Abschluss in sechs oder sieben Semestern ermöglicht. Bislang stehen den 1 400 Studenten elf Professoren gegenüber. Nach anglo-amerikanischem Vorbild ist auch der jetzige Studiengang organisiert. Die Neueinsteiger werden von Tutoren aus höheren Semestern betreut. Allerdings sind diese nur schwer zu finden. Bei einem Stundenlohn von rund 15 Mark winken viele ab, weil sie bei Banken oder Versicherungen das Doppelte verdienen können. Diese Löhne sollen im kommenden Jahr aus einem Bund-Länder-Programm aufgestockt werden. Die Erstsemester, die sich am Montag in der "Linearen Algebra" drängen, werden von dieser Neuerung nicht mehr profitieren. Bislang saßen in den Übungsgruppen 15 Studenten, jetzt werden es mindestens 30 sein. Ein sinnvolles Arbeiten werde dann kaum noch möglich sein, heißt es aus Professorenkreisen. Öffentlich äußern wollen sich die Professoren nicht. Aber dass sie mit der Qualität der Ausbildung nicht zufrieden sind, ist ihnen deutlich anzumerken. Zurzeit versucht die Fachschaft, den Frust der Neulinge etwas abzumildern. Mit Informationsveranstaltungen wollen die Mitarbeiter die Erstsemester auf die Anforderungen vorbereiten. Nach Erfahrung von Claudia Bärenfänger von der Fachschaft wirft etwa jeder fünfte Neuling in den ersten Monaten das Handtuch - allerdings nicht immer wegen der Studienbedingungen, sondern wegen falscher Vorstellungen: «Sie glauben, dass wir hier stundenlang im Internet surfen und erschrecken dann, wenn trockene Mathematik auf dem Plan steht», sagt Bärenfänger. Wer allerdings den Widrigkeiten trotzt und das Studium durchhält, dem winkt eine Belohnung. Insider berichten, dass Unternehmen schon Examenskandidaten zu sich locken - mit Traumgagen.