Juni 2001

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Mission Impossible - Der geplante Bachelorstudiengang in Frankfurt

(op) Eine neue Gründerwelle schwappt schon seit ungefähr zwei Jahren durch Deutschland. Es werden Bachelor- und Masterstudiengänge in ganz Deutschland aus dem Boden gestampft.

Ganz besonders mit dabei sind die FHs, denn denen hat man dazu die Erlaubnis gegeben und ihnen damit eine Hintertür zu der vorher von den Universitäten abgeschotteten wissenschaftlichen Welt geöffnet, denn mit einem Master wird es dem FHler damit möglich, einen Doc hinten dran zu hängen. Nun hat die Welle auch uns erreicht. Die Planungen zu einem Bachelor of Science (Informatik) in Frankfurt sind in vollem Gange. Man (unsere Professoren) verspricht sich damit viel, vor allem aber (aber auch nur vielleicht, und dieses vielleicht wird immer stärker) eine neue Professur. (Zitat aus dem FBR: "Zur Zeit gibt es nur über Innovation neue Stellen, selbst für die Informatik, und ein Bachelorstudiengang wäre so etwas.")

Außerdem soll damit auch die Transparenz zu den ausländischen Abschlüssen erhöht werden (Zitat aus dem FBR: "Das Diplom kennt in den USA sowieso keiner"). Aber die Sache hat auch ihre Schattenseiten. So ist eine Abwertung des Diploms zu befürchten, das dann wohl letztendlich von einem Master verdrängt werden wird. Dabei darf nicht übersehen werden, dass das (Ausbildungs)Konzept eines Bachelor- und Masterstudiums stark von den Grundprinzipien des Diplomstudiengangs abweicht. Nun kommen bei einem sinnvoll gestalteten Bachelorstudiengang erhebliche Belastungen auf das Institut Informatik zu:

Mehr Studierende sind zu betreuen, neue Lehrveranstaltungen sind anzubieten und alle wichtigen Vorlesungen im Jahresturnus zu lesen. So wünschenswert diese Maßnahmen auch sind, all diese Belastungen sind für das Institut so stark, dass ein Bachelor für Frankfurt erst gar nicht zur Diskussion stehen dürfte. Doch es wurde anders entschieden.

So ist das Institut nun voll bei der Konzeption des Bachelors. Auch hier hat sich wiedereinmal herausgestellt, dass die Vorstellungen zwischen Professorenschaft und Fachschaft verschieden sind. Die Professorenschaft favorisiert ein "Vordiplom++", das in maximal neun Semestern zu absolvieren ist, sonst folgt der Kick-Out. Man hält sich dabei größtenteils an den Diplomstudiengang, da die nötigen Kapazitäten für wichtige sinnvolle Veranstaltungen, wie z.B. ein Betriebspraktikum, fehlen. Natürlich werden auch die anderen oben erwähnten Punkte, wie gerade ein verstärkter Praxisbezug, die eigentlich Fundament für einen sinnvollen Bachelor wären, über Bord geworfen.

Aber damit nicht genug: Um den Studiengang nun völlig unstudierbar zu machen, werden im Grundstudium nur zwei Veranstaltungen weggekürzt (die anderen sind per Klausur oder mündlicher Prüfung zu bestehen, sonst ist man draußen). Zum Vergleich: Im Diplomstudiengang muss man hier im günstigsten Fall vier (!) Scheine weniger machen. Aber es kommt im Hauptstudium noch besser: Die fleißigen Studenten, die das Vordiplom in 4 Semestern mit Bravour geschafft haben (aktueller Schnitt liegt wohl bei mindestens 5 Semestern), dürfen dann in den letzten beiden Semestern vier 4+2 Vorlesungen (bzw. drei Vorlesungen und ein Praktikum) hören, zwei (!) Seminarscheine (einer in Theorie und einer in Technik/Praxis) machen, weiter noch ein paar kleine Veranstaltungen besuchen und nebenbei noch die Bachelorarbeit schreiben.

Es sollte also in keinster Weise verwundern – sollte der Bachelor in dieser Form realisiert werden – wenn es keinen einzigen Absolventen geben wird.

Rekapitulieren wir: Wir führen einen Studiengang ein, der uns zwar kurzfristig eine neue Professur bringen kann, denken aber nicht im Mindesten über die Folgen der Mehrbelastung nach, denn schlechte Rankings und niedrige Absolventenzahlen können dann mittelfristig absolut gegen uns sprechen und damit langfristig sogar Professuren kosten.