![]() November 1999 |
Sagt mir, was ich machen sollEin Rückblick auf die Erstsemester-Orientierungsveranstaltung im WS 1999/2000
Mittwoch, 10:00
Orientierungslose Menschen bevölkern das Erdgeschoß des Informatik-Gebäudes in der Robert-Mayer-Straße. Seminarraum 11 ist zum gemütlichen Frühstücksraum (mit reichhaltigem Frühstücksbuffet) mutiert, vor dem Magnus-Hörsaal ist eine Theke mit einer Buttonmaschine aufgebaut und überall flitzen Menschen mit weißen T-Shirts mehr oder minder geschäftig hin und her. Ein Aufstand, eine Demo, eine Rebellion? Oder gar die feindliche Übernahme eines benachbarten Fachbereiches? Nein, es ist der ganz normale Wahnsinn: Die jährliche Informatiker-Orientierungsveranstaltung für Erstsemester. Der Mensch an der Buttonmaschine ist der am meisten beschäftigte, denn er muß für jeden Neuankömmling einen lustig bemalten Button pressen. 10:15 Fast alle haben sich im Magnus-Hörsaal versammelt und harren der Dinge, die da kommen. Zwei freundliche Studenten aus den höheren Semestern begrüßen die Erstsemester und erklären kurz den Ablauf der folgenden Tage. Hier lauert die erste große Überraschung für die Erstsemester: Es wird keine anonyme Frontalveranstaltung geben, sondern einen heterogenen und kommunikationsbasierten Ablauf. Dieser besteht im Wesentlichen aus mehreren Kleingruppenveranstaltungen, in denen bestimmte Dinge erarbeitet werden und einigen Plenumsveranstaltungen, insbesondere der Abschließenden, in der die erarbeiteten Dinge gegenseitig vorgestellt werden. Die Kategorisierung der Kleingruppen erfolgt hierbei durch die lustig bemalten Buttons. An dieser Stelle sei angemerkt, daß man sich bei zukünftigen OE's Gedanken über eine zugänglichere Symbolik machen sollte. Nachfolgende Generationen scheinen Schwierigkeiten bei der Erkennung der Symbole früherer Generationen zu haben ("Wer ist eigentlich "Asterix" ? Der Dicke, der Köter oder der andere ?"). Am besten benutzen wir wieder allgemeinere Dinge wie Formen ("Der Kreis ist das Ding ohne Ecken"). Die zweite große Überraschung: Die Kleingruppen erarbeiten nicht nur fachlich relevante Dinge, wie z.B. Grundstudium, Vordiplom, Veranstaltungsformen, sondern auch anderes, wie z.B. Wohnen, BAFÖG und Infrastruktur. 11:00 Die Kleingruppen haben sich in ihre Räume verzogen und bemühen sich, mehr oder weniger zu kommunizieren, um die ihnen gestellten Aufgaben zu bearbeiten. Einige Kleingruppenleiter stellten an dieser Stelle jedoch den globalen Auftrag eine kleine Weile zurück, um mit den Teilnehmern die brennendsten Fragen zu diskutieren. Danach wurden die Aufträge in verschiedener Form bearbeitet. Eine Sonderstellung und auch ein kleines Problem hatte die Gruppe Q&D, die sich für diesen Artikel verantwortlich zeigt. Sie sollte nämlich während der Orientierungsveranstaltung einen Artikel über diese schreiben. Da keiner der Teilnehmer dieser Gruppe über eine Zeitmaschine oder hellseherische Fähigkeiten verfügte, sahen sich diese dem klassischen Henne-Ei-Problem gegenüberstehen. Dennoch war gerade diese vordergründig unlösbare Aufgabe dazu geeignet, der leicht phlegmatischen Gruppe etwas Leben einzuhauchen. Die Gruppe einigte sich darauf, den Löwenanteil des Artikels nach der OE zu schreiben und diesen auf Interviews der anderen Gruppen aufzubauen. Gesagt getan... die Q&D Gruppe schickte Reporter in alle anderen Gruppen, um die Stimmung, die Erwartungen und die Ergebnisse zu recherchieren. 16:00
Die Q&D Gruppe macht die erste Bestandsaufnahme. Von den 12 Gruppen wurden einige nicht angetroffen, die entweder ihre Arbeitsaufgabe mit einer Exkursion verbunden hatten oder dem Wunsch der Teilnehmer nach einer kleinen Führung durch die Uni entsprachen und deswegen irgendwo auf dem Gelände herum diffundierten. Von den angetroffenen Gruppen waren relativ wenig Ergebnisse zu bekommen... was nicht weiter verwunderlich war, da auch diese erst mit ihren Arbeitsaufträgen angefangen hatten. Trotz des frühen Stadiums war jedoch eines zu beobachten: ein relativ heterogenes Stimmungsklima. Gruppen mit fachfremden Themen philosophierten z.B. wesentlich mehr über existentiellen Fragen ("Warum muß ich mir hier angucken, wo Wohnheime sind? Ich wohn' noch zu Hause und will auch da wohnen bleiben - außerdem sind die Bewerbungstermine für die Wohnheime eh' schon abgelaufen... Grummel...") als Gruppen mit fachlichen Themen ("Hey, das Vordiplom geht uns alle an!" [Ups, hab' ich jetzt die Lehrämter ausgegrenzt? Tut' mir leid. [Anm. des Autors]]). Desweiteren hatte die Sitzordnung interessante Auswirkungen auf die Kommunikation. Merke: 1. Ein Kreis ist besser als ein Quadrat oder ein anderes Vieleck. 2. Räumliche Distanz erzeugt psychologische Distanz. 3. Motivation ist alles. 4. Wie im echten Leben, muß man auch im Studium oft aus Nichts etwas schaffen... Donnerstag
Der Donnerstag beginnt mit einem guten Frühstück und einer Podiumsdiskussion mit einigen Professoren des Fachbereiches. Leider glänzt der Autor dieser Zeilen mit Abwesenheit, deswegen nur die Vermutung einer kurzweiligen, kompetenten und ehrlichen Diskussionsrunde... Ahem... Freitag
Während der Donnerstag ein eher arbeitsintensiver Tag war, folgte diesem ein kurzweiliger Freitag, auf dem ein Höhepunkt den nächsten jagte. Den Anfang machten Studierende höherer Semester mit einem Überblick über die möglichen Nebenfächer. Die Highlights dieser Vorträge sind wohl noch allen im Gedächtnis. Danach glänzte Herr Frank Heuschen mit einer netten Präsentation eines eher langweiligen Themas, nämlich dem Erlangen einer Zugangsberechtigung, den Rechten und Pflichten bei der Benutzung und dem strukturellen Aufbau des Rechnernetzes der Rechnerbetriebsgruppe Informatik (RBI). Erstsemesterkritik
Don´t Panic, war das Motto, der diesjährigen OE im Studiengang Informatik. Die über 150 Neuanfänger wurden von mehr als 30 Tutoren der Fachschaft Informatik, fast ganztägig von 9.00 bis ca. 17.00 Uhr betreut. Neben dem reichhaltigen Frühstück, was jeden morgen angeboten wurde, gab es am Donnerstag morgen eine Diskussionsrunde mit allen 11 ½ Professoren, des Fachbereichs Informatik, welche auch zum großen Teil sehr unterhaltsam und informativ war. Resümee Die OE 1999/2000 brachte sehr viel Spaß aber auch sehr viel Arbeit für die Beteiligten, wobei der Löwenanteil sicherlich auf das Team unserer Leitwölfe Claudia und Maik verteilt wurde. Da gerade aus diesem Team einige in naher Zukunft auf das wohlverdiente Ende ihres Studiums zugehen, möchte ich meine Begeisterung, bei dieser OE mitgearbeitet zu haben, hiermit ausdrücken und jede und jeden, der sich schon immer oder auch noch nie Gedanken über eine Mitarbeit in der Fachschaft (die nicht nur einmal jährlich eine OE ausrichtet, sondern noch viele andere wichtige Dinge macht) dazu aufrufen, sich einfach mal sehen zu lassen. Da die Nachbereitung der OE 1999/2000 noch nicht stattgefunden hat, möchte ich von der Formulierung meiner persönlichen Kritikpunkte hier absehen, die ich lieber in eben diesem Nachbereitungsgremium äußeren. Allen, die die OE verpaßt haben, drehe ich hiermit eine lange Nase und wünsche ihnen trotzdem ein erfolgreiches Studium! Man sieht sich. In Stellvertretung aller Mitglieder der Q&D Gruppe Michael Lauer |