Februar 2000

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Biologie und Informatik

Romeo & Julia, Zweck-WG oder feindliche Übernahme ? - Wie wir bei den Biologen gelandet sind

(mw) Angefangen hatte alles mit einem neuen Gesetzentwurf der hessischen Landesregierung, der seit beinahe vier Jahren jedem bekannt sein könnte, der sich dafür interessiert. Darin heißt es, daß Fachbereiche eine gewisse Mindestgröße (gemessen in Professuren) haben müssen. Dieser Gesetzentwurf ist in unserem Haus erst einmal konsequent ignoriert worden, wie das mit Gesetzesnovellierungen Tradition hat. Studentische Stimmen, die Existenz des Fachbereichs stehe zur Diskussion, wurden, wie es Tradition hat, als Spinnerei belächelt. Eine Kommission, auf studentische Initiative hin eingerichtet, die sich mit der Frage potentieller Fusionspartner auseinandersetzen sollte, ließ man nach wenigen Sitzungen einschlafen, weil die Studierenden dort unkonventionelle Vorschläge (etwa die Biologie anzusprechen) machten, und den Professoren das regelmäßige wiederholen der selben zwei Argumente peinlich wurde, so etwas habe es noch nie gegeben, und außerdem ließe sich ja noch gar nicht absehen, ob das Gesetz je so wirklich greifen würde.

Schließlich wurde der Gesetzesentwurf ein Gesetz. Wir befinden uns jetzt im November 98. Die Professorenschaft unseres Hauses paßte ihre Strategie prompt an: Von "Ignorieren des Gesetzesentwurfs" auf "Ignorieren des Gesetzes".

Hektik kam in die Diskussion, als dann Pläne aus der 10. Etage auftauchten, in denen die Fusion der Fachbereiche Informatik und Mathematik bereits beschlossen schien. Die Strukturkommission wurde nach mehrjährigem Dornröschenschlaf wiederbelebt. Jetzt hieß es, man könne sich in der Kürze der verbleibenden Zeit lediglich noch um die Ausgestaltung der Fusion mit den Mathematikern kümmern, keinesfalls aber mehr andere Lösungen diskutieren. Das hätte man vor einem Jahr vielleicht noch tun können, aber jetzt sei es dazu zu spät.

Was man mit einer gewissen Mehrheit NICHT wollte, war klar. Man wollte nicht die vor zwanzig Jahren mal verloren gegangene Teildisziplin der Mathematik werden, die nunmehr in den Schoß der Mutterwissenschaft zurückgeführt wird, wo sie, so die Mathematik, ja ohnedies hingehört. Konkret sah man die fachliche Autarkie der Informatik in Gefahr und fürchtete, das für die Zukunft erhoffte Wachstum der Informatik in Frankfurt würde zur Abbau-Verhinderung bei der Mathematik degenerieren. Metaphern vom "Rettungsring aus Blei" oder dem "leckgeschlagenen Rettungsboot" machten die Runde.

Um den Eindruck der "Rückführung" in die Mathematik zu verhindern, brachte die Informatik die Psychologie als dritten Fusionspartner ins Spiel. (Q&D berichtete).

Ein neues Momentum bekam die Entwicklung dann im Frühsommer 99. Die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) stellte einen Topf vom 50 Mio DM zur Förderung von Bioinformatik Standorten bereit, um den sich interessierte Hochschulen bewerben könnten. Die Leitung der JWG-Uni sprach die Fachbereiche Biologie und Informatik an und forderte sie auf, zu prüfen, ob man hier nicht einsteigen könnte. Mittlerweile war auch in der Informatik auf breiter Front klar geworden, daß man bemüht sein müsse, die Informatik auch in der Universität verstärkt zu den Anwendungsdisziplinen hin zu entwickeln. In der Vergangenheit war das stets versäumt worden. Insofern kam dieser Glücksfall sehr gelegen. Im Laufe des Sommers kam es zu mehreren sehr langen aber auch durchaus konstruktiven Gesprächen über die Möglichkeiten der Etablierung eines Studiengangs Bioinformatik und weiterer Kooperationsmöglichkeiten. Zwangsläufig stellte sich irgendwann die Fusionsfrage. Auch in der 10. Etage traf dieser Gedanke auf Wohlwollen.

Es überzeugte, daß einerseits mit der Bioinformatik ein interessantes Grenzgebiet mit intensiven Kooperationsmöglichkeiten zu erschließen ist, und andererseits die Disziplinen Biologie und Informatik methodologisch wie auch den Forschungsgegenstand betreffend so unterschiedlich sind, daß kaum Kompetenzstreitigkeiten zu erwarten sind.

Was daraus wird, wenn die alltäglichen Probleme zur Lösung anstehen oder was passiert, wenn keine Gelder von der DFG fließen sollten, das wird die Zukunft zeigen.