Februar 2000

Aktuelle Ausgabe
Archiv
Impressum

Das Ende des FB 20

(mw) Das Jahr 2000 ist definitiv das Jahr, in dem der Fachbereich Informatik aufgelöst werden wird. Am Ende des Sommersemesters 2000 wird der FB 20 aufhören zu existieren und in einem gemeinsamen Fachbereich mit dem bisherigen Fachbereich Biologie aufgehen, mit dem zusammen zeitgleich ein Studiengang Bioinformatik eingerichtet werden soll.

FAQ

Heißt das, ich muß bis Oktober 2000 mein Studium beendet haben?

Nein, die bisherigen Studiengänge Diplominformatik und L3 Informatik, bleiben erhalten. Der Studiengang Bioinformatik kommt zum bestehenden Angebot hinzu.

Warum bleibt der FB 20 nicht unabhängig?

Freiwillig hat sich der Fachbereich Informatik nicht auf die Suche nach Fusionspartnern gemacht. Das noch von der SPD-geführten Landesregierung auf den Weg gebrachte neue Hessische Hochschulgesetz, legt eine Mindestgröße für Fachbereiche fest. Der FB 20 liegt unter dieser Schranke.

Bleibt die Informatik in der Robert Mayer Straße?

Mittelfristig soll der gemeinsame Fachbereich "Biologie und Informatik" am Niederurseler Hang zusammengezogen werden. Der zeitliche Rahmen, den man für dieses Vorhaben ansetzen muß, übersteigt aber vermutlich die Zeit eines Studiums. Der Fachbereich Biologie, der derzeit auf verschiedene Standorte verteilt ist, wartet bereits seit geraumer Zeit auf seine Zusammenführung. Am Niederurseler Campus muß bis dahin neu gebaut werden.

Werden die Veranstaltungen im Bioinformatik Studiengang zu lasten des Lehrangebots für Diplominformatiker gehen?

Für eine Anfangszeit wird der Studienplan für das Diplom in Bioinformatik eine Kombination ausgewählter Veranstaltungen aus den Lehrangeboten für die Studiengänge Informatik und Biologie. An der Anzahl der angebotenen Veranstaltungen ändert sich also nichts. Lediglich bei Veranstaltungen mit beschränkter Teilnehmerzahl kann es zu Engpässen kommen. Da für Bioinformatik eine Zulassungsbeschränkung eingerichtet werden wird, wird die Bioinformatik jedoch kaum eine substanzielle Verschlechterung mit sich bringen.

Und später?

In den drei Fachbereichen, die den Bioinformatik Studiengang betreiben, wird jeweils eine Professur für Bioinformatik geschaffen bzw. umgewidmet. Das ist allerdings eher ein mittel- als ein kurzfristiger Vorgang. Dann spätestens wird es auch maßgeschneiderte Bioninformatik Veranstaltungen geben. Ob die auch für die Diplominformatiker angerechnet werden, wird man dann entscheiden müssen.

Kann ich Bioinformatik als Nebenfach nehmen?

Nein.

Was ist denn Bioinformatik überhaupt?

Eine Disziplin im Grenzgebiet zwischen den Wissenschaften, deren Bedeutung in den letzten Jahren evident geworden ist. Über diese Frage werden wir demnächst garantiert einen ausführlicheren Artikel in der Q&D haben.

Was ist die Informatik in Zukunft, wenn sie kein Fachbereich mehr ist?

Die Informatik wird ein Institut innerhalb des Fachbereichs "Biologie und Informatik"

Also gibt es ein Institut für Informatik und eines für Biologie?

Nein. Die Biologen sind bereits jetzt in 5 Institute gegliedert: Zoologie, Botanik, Mikrobiologie, Didaktik, Anthropologie & Humangenetik. Zu diesen kommt das Institut für Informatik als ein weiteres hinzu.

Sind die Biologen denn so viel größer?

Die Biologen haben etwa gleichviele Studenten aber dreimal soviele Professuren. Das Institut für Informatik wird das größte im neuen Fachbereich werden.

Was ist der Unterschied zwischen einem Institut und einem Fachbereich?

Ein Fachbereich hat wesentlich mehr Eigenverantwortung. Zu einem Fachbereich gehört ein Dekan und ein Fachbereichsrat, die so ziemlich alle Belange des Fachbereichs regeln. Die nächsthöhere Instanz ist schon die Universitätsleitung, von der der Fachbereich zum Beispiel seine jährlichen Mittel zugeteilt bekommt. Wie diese innerhalb des Fachbereichs verteilt werden ist dann Sache des Fachbereichsrates selbst. Ein Institut, das im Fachbereichsrat eine Minderheit ist, wird also auf das Wohlwollen der Mehrheit angewiesen sein.

Also entscheidet künftig die biologische Mehrheit alles, was uns angeht?

Prinzipiell ja. Um diesen Effekt abzufangen, gibt es für das erste Jahr einen so genannten "Gründungsfachbereichsrat", in dem Biologen und Informatiker in gleicher Anzahl vertreten sind. Außerdem werden in einem Fusionsvertrag die wichtigsten Absprachen über die künftigen Zuständigkeiten festgehalten. Juristisch geht so ein Vertrag aber über eine Absichtserklärung kaum hinaus.

Wird das in der Praxis wirklich eine Gefahr?

Darüber lassen sich im Moment natürlich nur Vermutungen und bestenfalls Prognosen anstellen. Was die fachliche Autarkie angeht, also das Recht, unsere Lehr- und Forschungsinhalte selbst zu bestimmen und damit auch die Vergabe des akademischen Grades "Diplominformatiker" allein zu verantworten, ist wohl kaum in Gefahr. Schwerlich wird sich ein Biologe in die Diskussion darüber einmischen, was in unserem Lehrangebot fehlt, oder was eine legale Prüfungsfrage ist. Insofern können wir hier (anders als bei einer Fusion mit der Mathematik, die ja auch lange Zeit im Raum stand), recht beruhigt abwarten.

Aber?

In anderen Punkten, wird man beobachten müssen, welche Praxis sich einpendeln wird. Für die Verteilung des lieben Geldes wird zunächst ein fester Schlüssel im Fusionsvertrag festgehalten. Aber der kann naturgemäß nur so lange Bestand haben wie die Kriterien, auf Grund deren er festgelegt wurde. Ein anderer Aspekt könnten die Zukunftsperspektiven sein. Daß die Informatik im Verhältnis zu ihrer Bedeutung und der Nachfrage nach Absolventen und der JWG-Uni absolut unterrepräsentiert ist, wird kaum jemand ernsthaft bestreiten. In Zeiten leerer Haushaltskassen läßt sich der Wachstum einer Fachrichtung häufig nur zu Lasten einer anderen realisieren. Insofern konkurrieren sämtliche Fachrichtungen dauernd um Stellen und Ausstattung.

Zeichnen sich bereits jetzt Konfliktfelder ab?

Leider ja, und das betrifft uns unmittelbar. Die Wahrnehmung und Beachtung studentischer Interessen hat nämlich bei den Biologen überhapt keine Tradition. Dasselbe gilt für einen anständigen Umgang mit studentischen Vertretern. Hier kommen harte Zeiten auf die Fachschaft zu, da man bei ums im Haus anscheinend beabsichtigt, sich der Biologie hierin anzupassen. Dazu später mehr in dieser Ausgabe.

Und wie sind wir überhaupt bei den Biologen gelandet?

Das läßt sich nicht mit wenigen Zeilen erzählen, aber wir haben ja Platz...Biologie und Informatik