Februar 2000

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Ausgeprägtes Tiefdruckgebiet

Kein Ohr für studentische Interessen bei den Fusionsvertragsverhandlungen.

(mw) Es hat fast den Charme von Bauernregeln. Wenn die Schwalben tief fliegen, wird es regnen, und wenn man als studentischer Vertreter in alle Belange einbezogen wird, dann bröckeln die Mehrheiten in der Professorenschaft - oder es fällt Arbeit an. In letzter Zeit avancieren solche "Grundsätze der Fachschaftsdynamik" allerdings eher in die Sphären von Naturgesetzen.

Wie Q&D immer wieder im Laufe des letzten Jahres berichtet hat, vollziehen sich zur Zeit fundamentalste Veränderungen, die unseren Fachbereich und jeden, der dazu gehört, nachhaltig betreffen. Den ganzen letzten Sommer und Herbst hindurch waren es vor allem die kleinen Dienstwege und inoffiziellen Arbeitsgruppen, die es möglich gemacht hatten, daß der Fachbereich den ständig wechselnden Gegebenheiten schlagfertig Rechnung tragen und seine Vorhaben mit der gebotenen Zügigkeit angehen konnte. Arbeitsgruppen zur Ausarbeitung von Stellungnahmen, der Bioinformatikprüfungs- und Studienordnung und etlichem anderen, hatten sich stets über die Statusgruppengrenzen hinweg gebildet. Und auch die Mehrheiten, mit denen die richtungsweisenden Beschlüsse in den Kommissionen und im FBR getroffen wurden, verliefen nicht länger "along party lines". Zwar war es eine Zeit, in der mit Hochdruck gearbeitet werden mußte, aber manchmal konnte man wirklich glauben, universitäre Selbstverwaltung hätte etwas mit Demokratie zu tun. Vielleicht naiv, ist doch die professurale Standesherrschaft in allen universitären Gremien mit der Unumstößlichkeit päpstlicher Edikte verankert.

Klingt melancholisch? Na ja, ist es ja auch. Jetzt hat sich nämlich wieder herausgestellt, daß die "geschätzten" studentischen Vertreter und ihre "engagierte und konstruktive Mitarbeit" nur so lange Wertschätzung genießen oder auch nur gern gesehen werden, solange die Interessen von Profs und Studis gleich sind oder es sich insbesondere um die Arbeit von Profs handelt, die da so engagiert von uns erledigt wird. Doch wehe wenn Studenten mal ein studentisches Anliegen einbringen wollen...

... was das ist? Das ist zum Beispiel eine Bibliothek mit Öffnungszeiten und Leihbetrieb. Das ist selbstverständlich? Mitnichten! (um politisch korrekt zu sein: mitnichten und mitneffen) Bei der Biologie beispielsweise bekommen Studenten die Bibliothek in der Regel nie von innen zu sehen. Die sollen sich die Bücher, die sie brauchen, halt kaufen. Die Bibliothek ist nur für Profs und Mitarbeiter und vielleicht ein paar Diplomanden, wenn sie ganz lieb bitte bitte sagen. Nun interessiert sich leider kein Prof (auch keiner von unseren) dafür, ob die Bibliothek Öffnungszeiten hat, weil er ja sowieso einen Schlüssel hat. Also, wenn wir hier von einem studentischen Anliegen sprechen, dann meinen wir damit keine bronzenen Gedenktafeln für glorreiche Fachschafter in der Eingangshalle, sondern wirklich Notwendiges, um in Frankfurt gescheit studieren zu können.

Wenn also nun beim Entwurf eines Fusionsvertrages mit einem anderen Fachbereich eine studentische Vertreterin für Regelungen plädiert, die den Status Quo der Informatikbibliothek schützen sollen, dann ist der Punkt, von dem ich oben gesprochen habe, der, an dem studentische und professorale Interessen mal nicht miteinander einhergehen, schon erreicht. Und schon herrscht Gegenwind, der im aktuellen Fall so heftig ausfiel, daß unsere studtentische Vertreterin Claudia aus der "Kommission zur Durchführung von Fusionsverhandlungen" zurückgetreten ist.

Ich verspüre jetzt wenig Lust, das genaue Zustandekommen dieses Eklats in Bild-Zeitungsmanier zu rekapitulieren, weil es sich zum einen, einer annähernd treffenden Wiedergabe verschließt und weil es, so denke ich, auch gar nicht nötig ist: Wer Claudi auch nur ein bißchen kennt, und mitverfolgt hat wieviel Zeit, Arbeit und Engagement sie in den letzten sieben Jahren in diesen Fachbereich investiert hat, der weiß einfach, daß es ihr nicht ähnlich sieht, die Brocken hinzuschmeißen, wenn es etwas heikel wird, oder es Streit gibt. Der wird sich lebhaft ausmalen können, was nötig ist, um sie dazu zu bringen, auf ihr Mandat in einer so essentiell wichtigen Phase zu verzichten. Nur soviel, es gibt sachlichen Streit, persönliche Angriffe und affig-arrogantes Anpöbeln. Die beiden erstgenannten Formen genügen dazu bei weitem nicht.

Jetzt herrscht im Fachbereich Eiszeit. Die Fusion mit dem Fachbereich Biologie, der sich im Umgang mit studentischen Interessen nahezu wöchentlich selbst unterbietet, steht bevor. Dort müssen sich studentische Vertreter sogar mit Auswirkungen ihres Tuns auf die nächste Prüfung drohen lassen. Es wird dunkel werden.

Bei aller Empörung über das Verhalten der Biologen in diesen Fragen, könnte man ja immer noch hoffen, daß man bisher die falschen kennengelernt hat, könnte spekulieren, daß deren Wahrnehmung von Fachschaftlern auch eine bessere wird, wenn sie erst einmal mitbekommen, wieviel Sch...arbeit wir hier erledigen und, daß wir uns bei unseren Anliegen und Forderungen meist recht viel denken und sachlichen Erörterungen immer offen stehen.

Aber da gibt es eine wesentlich niederschmetterndere Erkenntnis aus diesen ganzen Vorgängen, die mich auch vor die Frage stellt, ob die ganze Fachschaftsarbeit überhaupt noch Sinn macht. Das ist, daß es unseren Professoren offenbar zutiefst peinlich ist, daß bei uns die Fachschaft so aktiv an den Selbstverwaltungsaufgaben teilnimmt. Die nämlich könnten es besser wissen.