Zum 1. Oktober 2000 wurden der ehemalige Fachbereich Informatik (20) und der ehemalige Fachbereich Biologie (16) tatsächlich zum neuen Fachbereich Biologie und Informatik (16) fusioniert. Unser alter Fachbereich Informatik wurde in seiner Gesamtheit als ein neues Institut, das Institut für Informatik, in den ehemaligen Fachbereich Biologie integriert. Eigentlich merkt man im alltäglichen Leben nicht wirklich eine Veränderung, so daß die meisten vielleicht gar nicht richtig mitbekommen haben, daß die Fusion erfolgt ist. Selbst die, die es besser wissen sollten, scheinen sich dieser Veränderung nicht wirklich bewußt zu sein. Die Universitätsleitung und auch der ehemaligen Fachbereich Biologie führen auf sämtlichen Homepages noch die alten Namen, dabei war doch gerade die Universitätsleitung die Antriebskraft für die Fusion! Da kann auch die kleine Namensänderung auf der Bio-Homepage zumindest in der deutschen Version nix ändern. Es werden die alten Stempel, die alten Briefköpfe und Briefbögen verwendet. Dies sind ja zum Glück nur Kleinigkeiten, die uns aber dennoch verblüffen. Da wurde über Monate hinweg die Fusionitis vorangetrieben, und die einfachsten Umstellungen klappen nicht.
Aber im Detail hat sich schon eine ganze Menge geändert:
- Das alles entscheidene Gremium für unser Institut ist nun der gemeinsame Fachbereichsrat. Zur Zeit ist dies noch der durch den Fusionsvertrag vorgeschlagene und durch den Senat eingesetzte Gründungsfachbereichsrat. Dieser besteht zur Hälfte aus Informatikern und zur Hälfte aus Biologen. Mit der anstehenden Wahl wird sich dies aber ändern.
- Als neue Instanz haben wir ein Direktorium bzw. einen Instititutsrat. Die Begrifflichkeiten haben sich hier noch nicht so ganz eingespielt, aber wir arbeiten dran. Dieses Gremium besteht vorübergehend, d.h. bis zur ersten Wahl dieses Gremiums, aus den Mitgliedern unseres alten Fachbereichsrats. Ziel ist es, aus diesem Gremium möglichst einstimmige Vorentscheidungen und Vorarbeiten für den Fachbereichsrat zu bekommen. Hier sollen also die informatikspezifischen Themen ausführlich inhaltlich vorbereitet werden, um sie dann im Fachbereichsrat endgültig vorzulegen und abzustimmen.
- Unser ehemaliges Dekanat ist nun das Sekretariat des Direktoriums, glücklicherweise weiterhin durch Frau Maerz besetzt, so daß es eigentlich wie früher ist!
- Die Sitten im neuen Fachbereichsrat und im Dekanat haben sich leider deutlich verändert. Der unkomplizierte und vertraute Umgang ist jetzt erstmal ein Fremdwort. Das schnelle Anklopfen und mal Vorbeischauen ist nicht mehr angesagt. Das neue Dekanat des Fachbereichs Biologie und Informatik ist das alte Dekanat des ehemaligen Fachbereichs Biologie und sitzt in der Feldbergstr. 42, telefonisch zu erreichen unter 798-23956. Allerdings sollte man sich besser an die Öffnungszeiten halten, da unser früher übliche Umgang, "Da geh’ ich doch schnell mal vorbei, wenn was ansteht", nicht üblich ist. Auch das Erhalten von wichtigen Informationen ist jetzt nicht mehr so leicht wie früher, aber hoffentlich verbessert sich das noch! Man darf die Hoffnung nicht zu schnell aufgeben, auch wenn es gerade die studentische Selbstverwaltungsarbeit völlig unnötig erschwert!
- Auch die Sitzungsleitung im neuen Fachbereichsrat, Herr Entian als Dekan, macht uns durch für uns maximal unkonventionelle Verfahrensweisen das Leben nach besten Wissen und Gewissen schwer. Der Grund dafür ist in keinster Weise einleuchtend. Vor allem wird die von uns geforderte Genauigkeit und das Einhalten der öffentlichen geltenden Regeln nicht gerne gesehen. Aber wir lassen uns da sicher nicht den Mund verbieten. Solange wir wichtige studentische Interessen vertreten, werden wir jede noch so unnötige und auch provokante Handlung aushalten und die Interessen auch in maximal schweren Debatten weiterhin vorantreiben.
Grundlage der Fusion ist ein lang erarbeiteter, unserer Meinung nach dennoch rechtlich schlecht abgesicherter, Fusionsvertrag. Dazu in der AStA-Zeitung: "Kurios wurde es, als Biologie und Informatik — übrigens als Liebeshochzeit — ins Bett stieg. Das Kind — ein viele Seiten umfassender 'Ehevertrag' liest sich jedoch eher wie eine Vereinbarung zwischen der UdSSR und den USA aus dem Kalten Krieg. Ein Dokument der Besitzstandswahrung und des Misstrauens. ..." Diese doch sehr kritischen Worte treffen sicher den Sachverhalt sehr passend. Leider scheinen diese Sicherungskonstrukte bereits jetzt nötiger, als man damals dachte. Noch tragischer ist in diesem Zusammenhang, daß die meisten Versuche der Absicherung rechtlich so nicht durchzusetzen sind. Das schön geschriebene Konstrukt aus Absicherung, potentieller Freund-schaftsbekundung und Fairness scheint insgesamt eher ein Beruhigungspapier zu sein, statt ein in irgendeiner Weise vertragsrechtliches Werk, auf das man sich berufen kann. Wir, die inhaltlichen Kritiker dieses Vertrages sehen uns jetzt zwar bestätigt, aber manchmal wäre es schöner, nicht Recht behalten zu haben.
Wir hatten zwar die Hoffnung, daß diese Fusion uns für die nächsten Jahre Fusionsruhe bringen sollte, aber die neuen Ideen des Universitätspräsidenten scheinen da ganz anders auszusehen. Das neu vorgestellte Entwicklungskonzept für die Universität Frankfurt scheint zurück zu den alten Fakultätslösungen zu steuern. Dann wäre früher oder später mit einer Naturwissenschaftlichen Fakultät zu rechnen. Weshalb dann diese jetzt durchgeführte Fusion überhaupt durchgeführt werden mußte, ist uns schleierhaft. Aber dies ist jetzt wirklich brandaktuell, so daß Einmischen wenigstens noch möglich ist! Hierzu wird der Präsident Herr Steinberg noch häufiger Position beziehen und Klartext reden müssen. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Fakultätenideen steht auch die Debatte um die Standortfrage. Früher oder später wird die Universität nicht mehr in dem Maß am jetzigen Campus Bockenheim angesiedelt sein. Der Umzug der Geistes- und Kulturwissenschaften in den Poelzigbau stehen jetzt schon im nächsten Semester an. Früher oder später werden die naturwissenschaftlichen Fächer wohl komplett am Niederurseler Hang angesiedelt sein. Wohl nur die Wirtschaftswissenschaften und Jura werden dauerhaft in Bockenheim angesiedelt sein. Wir werden wohl noch einige Jahre in unseren jetzigen Räumen bleiben, aber die Diskussion von Vor- und auch Nachteilen der Aufsplittung der Universität soll und muß jetzt geführt werden. Seid euch sicher, wir informieren hier auf jeden Fall weiter!
Der erste Termin in dieser Angelegenheit ist der 11.12.2000 um 17:00 Uhr im Blauen Salon der neuen Mensa, das ist der Raum 101. Auch dieses Thema wird uns die nächsten Q&Ds weiter begleiten, man darf hier sicher gespannt sein!