![]() Dezember 2000 |
"Highway to Hell" leicht gemacht
(rk) Wie soll ich denn bloß den Artikel unseres Erstis verstehen. Sicherlich war es nicht in unserem Sinn, euch die Hölle zu basteln, als sich einige von uns schon lange Zeit bevor es endlich los ging, zusammensetzten, um diese OE zu planen. Mit dem ständigem Blick auf die immer weiter steigenden Anfängerzahlen in der Hochschulstatistik malten wir uns immer wieder andere Horror-szenarien aus. Was machen wir denn am Mittwoch morgen, wenn wirklich alle kommen? Wie schaffen wir es dann, allen die nötigen Infos mit auf den Weg zu geben? Auf den Weg in die Hölle?
Na ja, das hängt jetzt von den Vorstellungen ab, die man von der Hölle hat. Das Ziel war in jedem Fall vorgegeben: Den Neuen einen guten Start ins erste Semester zu bereiten, doch schien dies infolge der hohen Anfängerzahlen ein äußerst schwieriges Unterfangen zu werden. Unsere schlimmste Befürchtung, von einer wildgewordenen Horde aus 450 Neulingen überrannt zu werden, trat glücklicherweise nicht ein. Mit den ca. 300 anwesenden Erstis war der Magnus Hörsaal dann auch gut gefüllt und eine Balance zwischen einem kleinem Straßenfest und einer Hand voll Anwesender geglückt. Gerüchten von spontanen Hochzeiten zur gemeinsamen Nutzung eines Sitzplatzes muß an dieser Stelle hartnäckig widersprochen werden. Nun fiel es uns leicht, der ebenfalls angerückten Presse "Tribut zu zollen", also auf die Studiensituation für Informatiker an unserer Universität aufmerksam zu machen. Das Ergebnis waren zahlreiche Zeitungsartikel und viele der Erstis konnten sich sogar am zweiten Tag schon auf einem riesigen Bild in der F.A.Z., bei ihrem Kampf um einem Platz im Magnus-Hörsaal, erkennen. Am zweiten Morgen unserer OE waren die Auswirkungen dieses Artikels sofort zu spüren. Ein ungeladener Professor tauchte auf der Podiumsdiskussion auf und empörte sich, wie unverschämt es doch sei, dass das Präsidium dieser Universität erst über die Presse von diesen Verhältnissen in der Informatik erfahren müsse, um sich gleich im Anschluss mit hochtrabender "wissenschaftlicher Exzellenz" zu blamieren, da gerade ein wenig "Gelassenheit" gefragt war. Ein weiteres Problem des zweiten Morgens, wobei die Reaktion auf den Zeitungsartikel weniger als Problem, sondern eher als humoristische Einlage verstanden werden durfte, war die traurige Tatsache des Erstischwunds. Diese chronische Krankheit wird wohl nicht auszumerzen sein. Dennoch ist es immer wieder deprimierend, wenn sich die Kleingruppen auf einzelne Personen reduzieren (in Polynomialzeit). Dennoch konnten uns all diese Seiteneffekte nicht von der eigentlichen Arbeit abhalten, die OE nach bewährter Art in selbstständigen Kleingruppen weiterzuführen. Die OE in diesem Stile hat mittlerweile schon eine längere Tradition, und es machte den meisten OE-Tutoren auch immer wieder Freude, ein positives Feedback zu bekommen. Aber es bedarf doch schon sehr viel Idealismus, wenn sich ein kleiner, fast auf eine Person zu reduzierender Haufen an die Arbeit macht und vor allem die Federführung für eine solche Veranstaltung auf sich nimmt. An dieser Stelle möchte ich mich bei diesen Personen, die mit viel Einsatz und ihrer ganzen Erfahrung diese Aufgabe in die Hand genommen haben, bedanken. Dazu ist vor allem zu sagen, daß das Ganze ein Drahtseilakt zwischen der Zahl von 400 Anfängern mit einer eventuellen Schwundquote von vielleicht 50% auf der einen Seite und einer großen Mittelknappheit auf der anderen Seite war. Zu danken ist auch den ganzen OE-Tutoren, die leider Jahr für Jahr immer wieder sehr rar sind [von denen es leider jedes Jahr nicht genug gibt], obwohl es eigentlich nicht zu viel sein dürfte, das, was man am eigenen Leibe positiv erfahren hat, an die nächste Generation weiterzugeben. An dieser Stelle will ich auch schon mal darauf hinweisen, daß die nächste OE genau ein Jahr später zur gleichen Zeit wieder vor der Tür stehen wird. "Same procedure as last year? …same procedure as every year!". Vielleicht finden sich ja dann einige von denen, die dieses Jahr neu begonnen haben, für diesen unbezahlten, aber auch spaßigen Job. Ich hoffe - und denke dies auch schon aus den meisten Feedbacks unserer Erstis entnommen zu haben -, daß es uns größtenteils gelungen ist, eine ganz brauchbare Einführungsveranstaltung auf die Beine zu stellen. Es war hoffentlich mehr als ein "Highway to Hell", zumindest aber war er gut ausgebaut und vierspurig! |